Dokumentation 0RM – Rechtsmedizin

Komplex Erdrosseln

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1. In einer Entscheidung vertritt der BGH übereinstimmend mit dem Landgericht Bielefeld die Meinung, dass ein handlungsfähiges Opfer (bei Bewusstsein und bewegungsfähig) sich zur Wehr setzt, wenn es gedrosselt wird:

Das vom Landgericht herangezogene Fehlen von Abwehrverletzungen belegt nur, dass P. jedenfalls im Zeitpunkt der Drosselung zu einer Gegenwehr nicht mehr in der Lage war, doch lässt dies noch nicht ohne weiteres den Schluss zu, dass diese Wehrlosigkeit auf einer vorgängigen Arglosigkeit beruhte.“ (Beschluss Az. 4 StR 180/13 BGH, 4. Juni 2013).

Urteil im Volltext:   BGH-abwehrverletzungen

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2. Im Standardwerk der Rechtsmedizin in Deutschland, „Praxis Rechtsmedizin – Befunderhebung, Rekonstruktion, Begutachtung“, 2. Aufl., 2006, Heidelberg und Bonn, von Burkhard Madea, wird beschrieben, wie sich eine Abschnürung des Halses – je nachdem – zunächst auswirkt. Es finden sich die Zitate:

Zitat Madea 1:

 „Bereits bei geringem, nicht nur punktuellen Druck auf den Hals (ca. 2 kg) kommt es zur Behinderung des venösen Blutabstromes aus dem Kopfbereich. Ist die arterielle Blutzufuhr wenigstens teilweise noch erhalten, resultieren eine Blutfülle des Gesichtes bis hin zur Anschwellung (Dunsung), meist verbunden mit einer Zyanose, die von Tatbeteiligten mitunter berichtet wurde, sowie Petechien im Kopfbereich.“ (S. 155,a.a.O.)

Zitat Madea 2:

 „Auch zur Abklemmung der Halsarterien bedarf es keiner großen Kraft – wenige kg (ab ca. 3 bis 5) genügen bei »passender« Lokalisation der Druckwirkung.“ (ebenda)

 

Zitat Madea 3:

„Für den Verschluss der Wirbelarterien sind höhere Drücke und vor allem eine Lage des Strangulationswerkzeuges hoch im Nacken nötig.“ (S. 155 f., a.a.O.)

 

Zitat Madea 4:

„Eine Krafteinwirkung von 8 bis 12 kg genügte bei (postmortalen) Würgeversuchen zur Unterbrechung der Atemwege.“ (S. 156, a.a.O.)

 

Zitat Madea 5:

 „Eine isolierte Unterbrechung der Atemwege kann vergleichsweise lange ohne Bewusstseinsverlust überstanden werden, selbst wenn es bereits zu einer starken Atemnotsymptomatik gekommen ist.“ (ebenda)

 

Zitat Madea 6:

 „Eine Unterbrechung der arteriellen Hirnversorgung hat demgegenüber bereits nach wenigen Sekunden den Verlust des Bewusstseins zur Folge: Bei über 100 Versuchspersonen wurde eine Druckmanschette um den Hals rasch stark aufgepumpt, alle verloren das Bewusstsein innerhalb von 6 bis 10 Sekunden (Rossen und Kabat 1943).“ (ebenda)

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